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"Wenn es mir
gelingt das Unmögliche möglich zu machen, |
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so habe ich die
Hälfte von dem was ich will erreicht." |
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Christian Singhuber |
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10.2004 - Die Wahrheit ist
einfach |
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Eigentlich
gibt es seit 17 Jahren Antivirus-Programme. Eigentlich wird
jedes Jahr das Bewusstsein zum Schutz vor Viren stärker.
Eigentlich sollten unsere Daten nun wirklich sicher sein.
Eigentlich. |
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Die Wahrheit
ist einfach: Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz – auch
nicht vor Virus-Attacken. Denn der Mensch ist ein sehr kreatives
Wesen, und diese Kreativität wird nicht immer nur für Positives
genutzt. Nicht wenige unserer Spezies verwenden ihr Können
lieber dafür, etwas aus dem „Reich des Bösen“ zu schaffen. Sei
es bewusst, oder aber auch unbewusst. |
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Mit den
folgenden drei – fiktiven - Beispielen möchte ich der
geschätzten Leserin und dem geschätzten Leser den Hintergrund
näher bringen, wie und warum ein Computervirus entsteht. Vor
allem aber auch, wer dahinter steckt. |
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Das Feindbild |
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Stellen wir uns
einen 22-jährigen Programmierer vor. Er wohnt noch bei seinen
Eltern, in einem eher runtergekommenen Viertel einer eher
runtergekommenen Kleinstadt. Er ist arbeitslos, und sieht auch
keine Perspektive. Obwohl tausende Menschen in dieser blühenden
Industrie ihr gutes Geld verdienen. Daran muss doch jemand
schuld sein. |
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Weil der Mensch
zur Gerechtigkeit tendiert, muss der Schuldige auch dafür
büssen. Wie kann der junge Mann sich nun am Establishment
rächen? Indem er sein Können anwendet – und mit einem selbst
geschriebenen Virus aus der Anonymität heraus ein Lebenszeichen
abgibt. Dass der Schaden durch diesen Virus in die Millionen
geht wird unseren jungen Freund nicht allzu sehr berühren. Im
Gegenteil – vielleicht erhält ja auch er, wie so viele vor ihm,
ein lohnendes Job-Angebot als gut verdienender Security-Experte. |
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Die
Herausforderung |
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Mit dem
neuen Sicherheits-Update ist das beliebte Betriebssystem so
sicher wie nie zuvor. Das wollen wir doch mal sehen. Denkt sich
der 27-jährige freie Programmierer, der voll auf ein anderes,
wirklich sicheres Betriebssystem setzt. |
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Da er zuvor
jahrelang bei seinem Arbeitgeber mit der Wartung des beliebten
Betriebssystems beschäftigt – ach was: direkt gequält wurde,
kennt er dessen Tücken und Lücken. Und weiß, wie ein Virus
funktionieren muss, um unauffällig einzudringen und die
Netzwerkverwaltung still legen zu können. Dass zwei Wochen
später aufgrund dieses Virus die Stromversorgung eines Gebiets
irgendwo über dem großen Meer beeinträchtigt war, hat dem jungen
Mann ein Lächeln gekostet – und einem Dialyse-Patienten das
Leben. |
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Die Langeweile |
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Ein schulfreier
Nachmittag in der Großstadt kann sehr langweilig werden. Dass
weiß niemand besser als die zwei 16-jährigen Jungs aus dem
Villenviertel am schönsten Rande der Stadt. Man hat ja schon
alles – natürlich auch den neuesten PC mit Breitbandverbindung. |
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So kommt es
vor, dass die beiden schon mal ein paar Virus Construction Kits
testen. Mit dieser Hilfe ist es heutzutage wirklich keine
Zauberei, ein paar neue Viren zu basteln. Und so einen
langweiligen Nachmittag mit ein bisschen Spaß aufzufüllen.
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Noch schnell
einen Wurm mit einem Trojaner verknüpft – und raus damit! Kann
ja nichts passieren. Bis auf dieses eine Mal, wo ein „Produkt“
der beiden den ungepatchten Server-Cluster einer großen Bank
lahm legt. Und damit deren Aktien-Transaktionen. Und so auch den
Geschäftstag der Börse. Und schlussendlich die Depots der
Aktienbesitzer. Mit dabei: Der Vater des Jungen, welcher bis
gestern noch im Villenviertel am schönsten Rande der Stadt
langweilige Nachmittage ein bisschen spannender gestaltet hat. |
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Fiktion? |
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Diese drei
Fallbeispiele sind erfunden, doch keineswegs aus der Luft
gegriffen. Aus verschiedenen Studien ging immer wieder hervor:
Viele Viren-Programmierer sind jung, talentiert - und
unterbeschäftigt. Meines Erachtens aber auch naiv oder
verantwortungslos. |
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Denn beim
Schreiben und dem nachträglichen „freisetzen“ von Viren denkt
der Erschaffer offenbar selten an die möglichen Folgen. Und
diese sind immer mit teils ernormen Schäden verbunden. |
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Jetzt kann
man beinahe verteidigend einwerfen, dass die Geschädigten
zumeist selbst schuld an Virus-Infektionen sind. Hätten sie doch
ein aktuelles Antivirus-Programm verwendet, ihr Betriebssystem
gepatcht und diese eine Datei halt nicht geöffnet. Prinzipiell
stimmt dieser Vorwurf – man könnte so unzählige Vorfälle ganz
einfach vermeiden. |
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Doch manchmal
ist der Viren-Programmierer der Jäger, und nicht der Gejagte.
Und nutzt die Schwächen unserer Systeme entsprechend aus. Um dem
zu begegnen, müsste es also Systeme ohne Schwächen geben. Und
das ist nun tatsächlich eine Fiktion. |
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Jäger und
Gejagte |
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Wer nun wie ich
tagtäglich mit Computerviren und vor allem dem Schutz davor
befasst ist, muss doch irgendwann paranoid werden. Stimmt´s?
Nun, die Paranoia der Antivirus-Branche schadet niemanden. |
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Im
Gegenteil: Bislang wurden auch die kühnsten Vorstellungen
unserer Leute immer noch von der Wirklichkeit eingeholt. Denn
wir beachten alles theoretisch Machbare. Und müssen manchmal
hinnehmen, dass jemand dieses Machbare wirklich ganz genau beim
Wort nimmt. Und aus Jägern manchmal auch Gejagte macht. |
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Dabei scheint
die Wahrheit doch so einfach: Malware, also die Gesamtheit
schädlicher Codes, wird von Menschen geschrieben. Sie wird von
Menschen ausgelöst. Und sie schadet auch Menschen. |
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